Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg.
Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg.

1905 - 1914: Gründerjahre

Gründer Bernhard Schönwetter

"In der heute im Gasthause Schönwetter tagenden öffentlichen Versammlung wurde die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen", so eröffnete der damalige Schriftführer, Gemeindesekretär Hans Wagner, das erste Protokollbuch der Winkeler Freiwilligen Feuerwehr mit Datum vom 8. Oktober 1905. Unter dem Eindruck eines Großbrandes an einem heißen Sommertag, dem zwei Häuser zum Opfer fielen, wurde auf Bestreben des Gastwirtes Bernhard Schönwetter eine öffentliche Bürgerversammlung einberufen, damit solches Leid künftig abgewendet werden kann. Während dieser Versammlung wurde "zur weiteren Vorbereitung der Angelegenheit ein provisorisches Komitee" gebildet, dem Nikolaus Basting als Vorsitzender, Josef Schwarz und Peter Weidmann als Beisitzer sowie Hans Wagner als Schriftführer angehörten.

Es müssen entschlossene Menschen gewesen sein, voller Tatkraft, die nun, getragen auch von einem breiten Bürgerwillen, ihr Ziel nicht mehr aus dem Blick ließen. Bereits am 5. November 1905 fand dann im "Gasthaus zum goldenen Löwen" die Gründungsversammlung statt. 82 Mitglieder trugen sich ein, wählten den endgültigen Vorstand und beschlossen einstimmig eine Mustersatzung. Schon im Dezember traf man sich im Gasthaus Schönwetter, um das erste Kommando zu wählen. Erster Kommandant wurde Kam. Andreas Kilian, sein Stellvertreter Kam. Bernhard Albert. "Als Chef der Wehr wurde der neue Bürgermeister, Herr Hartmann, gewählt", hielt der gewissenhafte Gemeindesekretär fest, der selbst zum Adjutanten aufrückte. Kam. Christian Fetzer komplettierte den Vorstand als Kassierer, während der technische Dienst von Kam. Bernhard Schönwetter (Rettungsmannschaft), Kam. August Mohr (Steigermannschaft), Kam. Nikolaus Basting (Spritzenmannschaft), Kam. Franz Basting (Hydrantenmannschaft) und Kam. Georg Braun (Ordnungsmannschaft) geführt werden sollte.

 

Protokoll der Gründerversammlung am 08.10.1905

Im Januar 1906 beschloss man dann, die "braune Joppe nach der Nassauischen Normalschrift sowie Helme der gleichen Firma" zu bestellen. Dabei wurde, wie man weiter vermerkte, über den Bezug der "Gurte und Beile kein Beschluss gefasst". Nun begann man mit der Organisation, und das Protokollbuch verzeichnet, dass man von den aktiven Mannschaften 1,20 Reichs¬mark forderte. Gleichzeitig erhob man von allen nach dem 1. Januar 1906 Eintretenden 3 Reichsmark. "Vom Militär entlassene Leute sollen, sofern sie sich innerhalb vier Wochen nach der Entlassung melden", kein Eintrittsgeld zahlen müssen. Gleichzeitig engagierte man einen "Vereinsdiener", der eine jährliche Entschädigung von 12 Reichsmark erhielt. Im gleichen Jahr tauchte dann auch zum ersten Mal der Tagesordnungspunkt "Wintervergnügen" auf - ein Thema, das die Vereinsoberen niemals mehr aus dem Blick ließen. "Es wird beschlossen, das Wintervergnügen am 21.Oktober bei Hölzer abzuhalten", liest man unter dem Datum vom 1. September 1906. "Außerdem wurde mit allen gegen drei Stimmen beschlossen, eine Christbaumverlosung abzuhalten."

 

Im Sommer 1907 konnte dann die noch junge Wehr endlich ihr Können unter Beweis stellen und erste Erfahrungen sammeln, als im Kaufhaus Theis ein Innenbrand aus¬brach. Größere Schäden am Gebäude konnten abgewendet werden, die mehr oder weniger beschädigten Waren mussten in einem Ausverkauf umgesetzt werden. Wenig später konnte Brandmeisterstellvertreter Albert "anhand des Festprogramms einen ein¬gehenden Bericht über den Feuerwehrtag in Rödelheim erstatten, verbunden mit einer Geräteausstellung. Nach den Ausführungen des Kameraden Albert waren es nicht nur sehr anregende, sondern auch vergnügte Stunden, die er in Gesellschaft der Kameraden aus allen Teilen unserer Provinz verlebte", wie das Protokoll vom Juli 1909 ver¬zeichnet. Noch in der gleichen Sitzung erhielt die Versammlung auch Kenntnis von den Aufnahmeverhandlungen mit der Winkeler Musikkapelle. Die Anwesenden zeigten sich "begeistert" und gaben einstimmig ihr Einverständnis. "Die Musiker haben sich den Vereinsstatuten in jeder Hinsicht zu unterwerfen", wurde sogleich schriftlich festgelegt, "mit der alleinigen Ausnahme, dass sie Übungen nicht beizuwohnen brauchen. Die Feuerwehr gewährt der Kapelle eine dreimonatige Ausbildung auf ihre Kosten. Während dieser Zeit soll dann ein Urteil darüber gewonnen werden, wie sich die Musik entwickelt" - selbstverständlich in festlichem Rahmen. Die offizielle Gründung der Feuerwehrkapelle wurde am 20. Juli 1909 vollzogen.

 

Am 21. Januar 1911 feierte man dann auch erstmals den Geburtstag "Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs im Kreise der Wehr". Zu diesem Fest waren auch "die Mitglieder, zum Teil mit ihren Damen, erschienen, was künftig mehr befolgt werden soll", wie Schriftführer Wagner feststellt, "damit auch die Frauen einmal etwas von dem Verein hören und sehen, dem ihre Männer alles opfern." Wagner vergaß auf dieser Kaisergeburtstagsfeier auch nicht den doppelten Dank an den Herrscher, einmal "für das leuchtende Vorbild an gewissenhafter Pflichterfüllung, dann für die besondere Huld, die er den Feuerwehren durch die Stiftung der Feuerwehrdienst-auszeichnung bewiesen habe". Kein Wunder, dass die Anwesenden begeistert in das Hoch auf Sr. Majestät einstimmten, das der Bürgermeister ausbrachte, zumal er außerdem noch "ein schönes Würstchen mit Kraut zu dem Freibier der Wehr" stiftete. Wen könnte es überraschen, dass bei solchen Veranstaltungen, "um die Zeit, wenn die Frühmesse beginnt, sich der letzte Rest des schönen Festes nach Hause schlich".Am Weißen Sonntag, dem 23. April, desselben Jahres konnte die noch junge Feuerwehr sich zum ersten Male bei einem größeren Schadfeuer bewähren, als der Dachstuhl eines zur Chemischen Fabrik Winkel gehörenden Gebäudes in Flammen stand.

 

Dann kam das Brandjahr 1912, in dem die Feuerwehr Winkel gleich drei Großbrände zu bekämpfen hatte. In der Nacht zum 5. März stand in der heutigen Hauptstraße das Anwesen Derstroff im Vollbrand. Hier gab es nichts mehr zu retten, es blieben nur rauchende Trümmer übrig. So musste sich die Feuerwehr darauf beschränken, eine Ausbreitung auf das St. Josefshaus zu verhindern, denn dessen Kapelle hatte schon Feuer gefangen, konnte aber gerettet werden. Nur zwei Monate später, am 13. Mai, brach morgens in der Bäckerei Naß Feuer aus, von dem auch das benachbarte Anwesen Dezius erfasst wurde. Als sich der Abend niedersenkte, war von den beiden Häusern nur noch Schutt und Asche übrig. Kurz vor Weihnachten brach gegen Mitternacht ganz in der Nähe der Pfarrkirche Feuer aus. Auch hier konnte nur die Ausbreitung des Brandes verhindert werden, und auf dem Weg zur Christmette gingen die Winkeler wieder an einem verkohlten Trümmerhaufen vorbei. Die nächsten beiden Jahre verliefen ruhig, bis die Ereignisse im August des Jahres 1914 ihre Schatten auch auf das Örtchen Winkel warfen.

Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg. 1905 e.V.

Kirchstr. 126

65375 Oestrich-Winkel

Besuchen Sie doch mal unseren Auftritt bei Facebook:

Letzte Änderungen

18.11.2017

Bericht Gebäudebrand Gottesthal

Pflege Einsatzstatistik

Archivierung von Beiträgen

 

 

 

 

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg. 1905 e.V.