Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg.
Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg.

1945 - 1970: Wiederaufbau

In den Jahren nach 1945 begann im Herzen Europas der Wiederaufbau aus den Trümmern - auch für die Freiwillige Feuerwehr Winkel unter ihrem neuen Ortsbrandmeister Kam. Eberhard Gerstadt und seinem Stellvertreter Kam. Andreas Heibel. Er konnte schon 1946 über die Gründung des neuen Kreisverbandes berichten und feststellen, dass den "Feuerwehren der vereinsmäßige Charakter" zurückgegeben wurde und sie künftig wieder ihre Fahne in der Öffentlichkeit tragen könnten.

Am 1. Oktober 1945 konnten zum ersten Mal seit 1942 wieder neue Mitglieder aufgenommen werden; gleich dreizehn an der Zahl. Nach vielen leeren Seiten findet sich der erste Eintrag im Protokollbuch wieder am 16. Januar 1946. Der wichtigste Beschluss dieser Sitzung war sicherlich das 40-jährige Gründungsfest, das im Jahr zuvor wegen der Kriegsereignisse nicht stattfinden konnte, mit einem einfachen Kameradschaftsabend nachzuholen. Die offizielle Wiederbegründung des Vereines datiert vom 12. Mai 1946, als die erste ordentliche Mitgliederversammlung nach dem Kriege den zunächst nur provisorisch gebildeten Vorstand im Amt bestätigte. Auch auf organisatorischer Seite musste Wiederaufbau betrieben werden. Am 16. Mai 1947 wurde die erste Satzung nach dem Krieg verabschiedet.

1948 konnte ein Tragkraftspritzenanhänger angeschafft werden. In den beiden Folgejahren 1949/50 wurden zudem neue Uniformröcke bestellt. Im gleichen Zeitraum erwähnt das Protokoll zum ersten Mal eine Jugendgruppe, zu deren Leiter Kam. Hans Freimuth bestimmt wird. In die gleiche Zeit fiel auch die Indienststellung des damals als modern geltenden Tanklöschfahrzeuges TLF15. Angesichts der finanziell schwierigen Nachkriegszeit war dies ein ausgesprochener Glücksfall für die Feuerwehr Winkel, denn es handelte sich dabei um ein nur kurz gebrauchtes Fahrzeug der Landesfeuerwehrschule. Kam. Peter Gietz war es zu verdanken, dass dieses Fahrzeug den Weg nach Winkel fand, wo es, liebevoll "Emma" gerufen, bis Anfang der siebziger Jahre wertvolle Dienste leistete.

 

Schon seit 1932 war es das Bestreben des Vereins gewesen, endlich ein Spritzenhaus zu errichten. Zu Beginn waren die Gerätschaften an mehreren Standorten verteilt, später dann im ehemaligen Rathaus, das jedoch aus allen Nähten platzte. Als dieses 1945, kurz vor Ende des Krieges, auch noch zerstört wurde, spitzte sich die Unterbringungssituation zu. Dankenswerterweise stellte Jakob Hamm einen Teil seines Anwesens übergangsweise als Unterkunft für die Feuerwehr zur Verfügung; doch dies konnte nur ein Notbehelf sein. Dies sollte sich ändern, obwohl die öffentlichen Kassen so kurz nach Kriegsende leer waren. Daher schritt die Winkeler Feuerwehr zu Selbsthilfe und begann mit dem Bau eines Feuerwehrhauses am Kerbeplatz.

 

Bau der neuen Halle am Kerbeplatz 1951

Am 29. März 1951 fand die Grundsteinlegung statt. Bereits 6 Monate später, am 29. September 1951, fand die feierliche Einweihung statt. Dieses Feuerwehrhaus sollte für knapp fünf Jahrzehnte der Mittelpunkt des Geschehens um die Freiwillige Feuerwehr Winkel sein.

 

TLF 15 "Emma" während des 50-jährigen Jubiläums 1955

Vom 30. Juli bis zum 1. August 1955 konnte die Freiwillige Feuerwehr Winkel ihr Goldenes Jubiläum feiern. Die Anwohner hatten zu diesem Ereignis die Straßen mit Fahnen und Birkengrün geschmückt - ein deutliches Zeichen der Verbundenheit aller Winkeler mit ihrer Wehr. Es war die Zeit, in der man begann, wieder zuversichtlich nach vorn zu schauen. Das Jahr 1956 ist den Rheingauern durch den bitterkalten Winter in Erinnerung geblieben, in dem Vater Rhein von Februar bis März zugefroren war - da war so mancher zu Fuß zur Fastnachtsfeier von Ingelheim gekommen. Am 15. März 1956 wurde Kam. Karl-Heinz Altlay Ortsbrandmeister, musste dieses Amt jedoch nur 5 Monate später nach einem Unfall niederlegen. Ihn löste am 4. August 1956 Kam. Peter Gietz ab. Gleichzeitig wurde Kam. Eberhard Gerstadt angesichts seiner Verdienste um den Wiederaufbau der Feuerwehr und des Vereines nach dem Kriege zum Ehrenortsbrandmeister ernannt.

 

Im Mai 1957 konnte das während der Wintermonate selbstgebaute LF8 mit Waldbrandanhänger in den Dienst übernommen werden. In dieser Zeit trat erstmalig ein Phänomen zutage, das bis heute die Feuerwehren sorgt. Obwohl das Mitgliederverzeichnis 1960 rund 50 aktive Mitglieder umfasste, standen wegen außerörtlicher Berufstätigkeit immer weniger Feuerwehrleute für den Einsatzdienst während der Tagstunden zur Verfügung. 1962 wendete sich Bürgermeister Meder in einem Aufruf an die Winkeler Bürger und ersuchte alle männlichen Einwohner, die sich tagsüber in der Gemeinde aufhalten, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, da sonst der Brandschutz nicht mehr gewährleistet sei. Er wies darauf hin, dass die Gefahr einer Katastrophe nicht auszuschließen sei, wenn man sich auf Berufs- und Pflichtfeuerwehren aus der Nachbarschaft verlassen müsse, die oft schon durch die weiten Anfahrtswege nicht rechtzeitig genug eingreifen könnten. Er schloss dabei auch die Aufstellung einer Winkeler Pflichtfeuerwehr als letzten Schritt nicht mehr aus. Erst die Einführung von Funkalarmempfängern über 10 Jahre später konnte diese Situation etwas entspannen. In diesem Jahr nahm die Wehr auch zum ersten Mal an den Feuerwehrwettkämpfen mit ihrem Löschfahrzeug teil und errang mit 1164,25 Punkten den hervorragenden vierten Platz im Regierungsbezirk Wiesbaden. Sie schaffte eine Leistung, die weit über den Landesdurchschnitt hinausreichte, der bei 1074,8 Punkten lag, und erhielt die vom Hessischen Minister des Inneren gestiftete Teilnehmerplakette.

 

Die Jahre 1963/64 blieben durch eine Reihe von spektakulären Großbränden in Erinnerung. So rückte die Wehr im März 1963 zur Bekämpfung des Feuers im Spänesilo der Firma Polster-Richter aus; im Juli mussten zwei Waldbrände, einmal am Kaiserberg und drei Tage später auch am Birkenkopf, bekämpft werden. Durch Brandstiftung wurden der Kirchturm und die Turnhalle in Oestrich zerstört, ebenso wie wenige Wochen später, am 23.1.1964, das Graue Haus, das älteste bewohnte Steinhaus Deutschlands.

 

 

 

Brand des Grauen Hauses 1964

Am 16. Februar 1964 wurde Kam. Hans Freimuth zum Ortsbrandmeister gewählt.Ein Jahr später, 1965, zeigten die intensiven Bemühungen um geeigneten Nachwuchs erste Erfolge. Unter der Leitung des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Werner Braun wird die erste Jugendabteilung gegründet. Die Mitglieder konnten durch Werbung in den Oberklassen der Winkeler Volksschule, die Schüler zwischen 12 und 14 Jahren umfasste, gewonnen werden. Die Gruppe wurde bis zur Übernahme in die Einsatzabteilung betreut.Das Konzept war so erfolgreich, dass es bis Ende 1970 mehrfach wiederholt wurde; danach beschloss man die Gründung einer Jugendfeuerwehr.

 

Am 8. August 1965 hält die Chronik ein weiteres wichtiges Ereignis fest. Mit der feierlichen Einsegnung durch Pfarrer Helsper und der Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Meder konnte ein neues, vollwertiges LF8 auf Opel Blitz zum damaligen Neupreis von 30.000 DM in Dienst gestellt werden.Es folgte eine Schauübung mit dem neuen Fahrzeug, dazu waren sämtliche Geräte und Fahrzeuge der Wehr zur Besichtigung ausgestellt.

Der "Tag der offenen Tür" bewies die Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Winkeler Feuerwehr. Brandobjekt war dabei das Feuerwehrgerätehaus. Der Rhein lieferte das Wasser. Gleichzeitig wurde ein großes Schlauchboot für den Hochwassereinsatz in Dienst gestellt. Das nächste Jahr, 1966, brachte dann die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches: die drei ersten Atemschutzgeräte konnten angeschafft werden. Die Kosten teilten sich die Wehrkasse, die Gemeinde und die Firma Polster-Richter. Hinzu kamen ein gestifteter Pritschenwagen Marke "Tempo", der in Eigenleistung zum Allzweckfahrzeug umgebaut wurde, und eine neue Magirus TS 8/8. An Einsätzen ragte die Hilfe bei der Unwetterkatastrophe in Rüdesheim hervor, die die Mitglieder der Wehr drei Tage beschäftigte. Ortsbrandmeister Kam. Peter Gietz, der seit 1945 dem Vorstand der Wehr angehörte, wurde einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt.

 

Eine in diesen Jahren sehr beliebte Alternative zum Besuch der Landesfeuerwehrschule in Kassel war die "Fliegende Feuerwehrschule", die auch von den Winkeler Kameraden gern in Anspruch genommen wurde. Damit war endlich auch eine flächendeckende Ausbildung der Feuerwehrleute gesichert. Um die Alarmsituation in der Gemeinde zu verbessern, konnten 1969 neue Sirenen montiert werden; die Anzahl der Alarmauslösestellen wurde auf 5 erhöht und diese modernisiert.

Freiwillige Feuerwehr Winkel/Rhg. 1905 e.V.

Kirchstr. 126

65375 Oestrich-Winkel

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